Wider den Landfrust

Hausverfall

Göttinger Tagblatt: Wer den demografischen Wandel einmal in der Realität studieren will, sollte sich auf den Weg nach Südniedersachsen machen, genauer nach Renshausen, einem Ortsteil der Gemeinde Krebeck im Landkreis Göttingen. Dort wohnen 400 Einwohner. Im Ort stehen bereits fünf Häuser leer, in bis zu 15 weiteren Häusern lebt jeweils nur eine Person, und die ist mindestens 70 Jahre alt. Kommt Zeit, kommt Leerstand und damit der absehbare Niedergang des Ortsteils. Man will der absehbaren Verödung des Ortes von Seiten der Gemeinde aber nicht tatenlos zuschauen. So sollen Familien, die den Erwerb eines alten Hauses erwägen, mit einem einmaligen Betrag von 1.000 Euro bei der Erstellung von Gutachten, in denen die Umbau- und Sanierungskosten fachkundig abgeschätzt werden, unterstützt werden. Je nach Größe der Familie soll es für Maßnahmen am Haus bis zu 10.000 Euro Zuschuss geben.

Kommentar: Bei der Demografie kämpft fast jede Gemeinde für sich, es geht darum, die eigene Infrastruktur und die Einwohnerzahl zu verteidigen. In diesem Sinne ist es in manchen Orten schon eine Frage von Lokalpatriotismus, dass ein Kind auf der örtlichen Hauptschule bleibt und nicht in die Realschule der Nachbargemeinde geht. In anderen Gemeinden wird bei schrumpfenden Einwohnerzahlen die Infrastruktur sogar noch ausgebaut in der Hoffnung, vom Niedergang der Nachbargemeinden profitieren zu können

Doch ist die Zahl junger Familien nun einmal begrenzt, es wird in diesem Kampf Gewinner und Verlierer geben. Die Verlierer werden für die verbliebene Restbevölkerung nicht die volle Infrastruktur erhalten können, das ist pro Bewohner irgendwann einmal zu teuer. Das betrifft nicht nur die vieldiskutierten Schließungen von Schulen, Kindergärten, Läden und Apotheken. Auch Wasserleitungen und Kanalisationen, die Reparatur von Straßen und die kommunale Verwaltung wird mit sinkenden Bevölkerungszahlen immer mehr in Frage gestellt. Eine Wahrheit, die von Seiten der Politik nicht ausgesprochen wird, denn sie ist ausgesprochen unpopulär.

Der drohenden Verödung der ländlichen Gebiete steht das Aufblühen der großen Städte gegenüber: dort zu wohnen ist der Wunsch der meisten Menschen, das zeigen nicht nur die Wanderungsbewegungen in Deutschland. Urbanisierung ist weltweit ein Trend. Also nur noch Stadtlust und sonst Landfrust? Keineswegs. Urbanisieren können sich auch die ländlichen Gebiete, indem die Gemeinden in größeren Einheiten und Zusammenhängen denken.  Dem hat der Bund auch schon mit einem Förderprogramm zur kommunalen Zusammenarbeit Rechnung getragen. So werden in diesem Jahr mit 70 Millionen Euro interkommunale Kooperationen gefördert. Profitieren sollen vor allem Klein- und Mittelstädte in dünn besiedelten, ländlichen, von Abwanderung bedrohten und/oder vom demografischen Wandel betroffenen Räumen.

Hier finden Sie den Beitrag im Göttinger Tagblatt

Das Förderprogramm des Bundes zur Förderung der regionalen Kooperation

Foto: Fotolia – ArTo

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