Trinkgeld für die EU

Weniger ist mehr, denken sich die meisten, wenn es ans Geldausgeben geht. Nämlich mehr, was in der eigenen Tasche bleibt. Deshalb ist feilschen in unserer Gesellschaft kaum mehr wegzudenken. Wer ein Angebot erhält, überlegt, wie viel Luft der Anbieter in der Kalkulation gelassen hat. Und wer anbietet, überlegt vorher, wie stark der Interessent den Preis drücken wird. Wer nicht feilscht, ist der Dumme. Und da kommt nun ein Neuling daher und haut mit der dicken Pranke auf den Tisch: Er will mehr bezahlen. Und zwar ausgerechnet an die bei vielen ungeliebte EU: „Statt für eine Verringerung unserer Zahlungen an die EU zu kämpfen, sollten wir die Bereitschaft zu signalisieren, sogar mehr zu zahlen.” Ganz schön starker Tobak, auch wenn der Zitate-Geber Nichtraucher ist. Wer hat es gesagt?

Wer freiwillig mehr bezahlen will, ist verdächtig. Denn welches Motiv sollte jemand haben, sich von mehr Geld zu trennen als unbedingt notwendig? Vielleicht will man sich jemanden gefügig machen? Oder die Gegenleistung für das bezahlte Geld ist sehr viel mehr wert als der Geldempfänger vermutet? Nun, Sie haben es erraten, Sigmar Gabriel war es, der sich in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entsprechend äußerte. Pro Kopf würden Niederländer und Schweden mehr als Deutschland bezahlen, begründete er. Und Deutschland würde ein Vielfaches des Eingezahlten zurück erhalten in Form von Exporten. Guter Wille scheint also wirklich angebracht. Man zahlt ja im Restaurant auch Trinkgeld, wenn man zufrieden oder die Bedienung freundlich oder mindestens gutaussehend war.

Zitiert auf Zeit-online