Sorgen kann man teilen. Geld auch.

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Ehrenamtliche Telefonseelsorger teilen das Leid vieler Anrufer, brauchen selbst aber auch Unterstützung, um ihre wichtige Aufgabe bewältigen zu können. Der Förderverein der Telefonseelsorge München e.V. hat dafür ein klares Konzept, dessen Umsetzung zum Teil von Unternehmen getragen wird. Diese spenden nicht einfach nur Geld, sondern bekommen auch etwas: nämlich die spirituelle und fachliche Begegnung mit denen, die viel Erfahrung mit Menschen in Krisen haben.

Wenn ein Telefonseelsorger den Hörer abnimmt, warten auf der anderen Seite der Leitung Einsamkeit, Krankheit, Tod, Streit und viele weitere existenzielle Sorgen, die die Anrufer gerne teilen möchten. Nicht wenigen kann im Gespräch allein dadurch geholfen werden, dass sie ein offenes Ohr finden – schließlich ist geteiltes Leid schon halbes Leid. Doch was ist mit den Telefonseelsorgern selbst? Wie gehen sie mit den oft belastenden Themen um, mit denen sie ein ums andere Mal konfrontiert werden?

„Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorge stehen im Zentrum unserer Aktivitäten“, gibt Aglaia Schwerdtfeger Auskunft. Sie ist Vorsitzende des Fördervereins der evangelischen Telefonseelsorge München e.V. Für die Theologin ist die Telefonseelsorge seit 35 Jahren eine Herzensangelegenheit. Über den Förderverein möchte sie vor allem jenen helfen, die die Sorgen der Anrufer teilen. „Die Telefonseelsorger erfüllen ihre wichtige Aufgabe nicht in Gemeinschaft mit anderen, sondern allein“, weiß Aglaia Schwerdtfeger. „Deshalb ist es wichtig, dass sie auf andere Weise Austausch und Gemeinschaft erfahren und das Gehörte besprechen und verarbeiten können.“ So gibt es neben Frühjahrs- und Herbsttagungen auch ein Sommerfest in der großen Runde für Themen, die alle betreffen. Die kleineren Gruppen treffen sich monatlich und dienen dem fachlichen Austausch und der Entlastung, aber auch der Fortbildung. Das ist Aglaia Schwerdtfeger ein Anliegen. „Die ehrenamtlichen Mitarbeiter möchten den Anrufern helfen, so gut es irgendwie geht.“ Deshalb werden regelmäßige Fortbildungen von externen Experten angeboten, die beispielsweise über Themen wie psychische Erkrankungen oder lösungsorientierte Gesprächsführung referieren. Und last but not least muss auch die Telefonseelsorge den neuen Medien Rechnung tragen: „Die evangelische Telefonseelsorge München bildet verstärkt ehrenamtliche Mitarbeiter in der Chat- und Mailseelsorge aus.“

All das kostet Geld, das der Förderverein herbeischaffen will, denn „nicht nur Sorgen, sondern auch Geld kann man teilen“, wie Aglaia Schwerdtfeger augenzwinkernd meint. Gesucht werden vor allem kleinere und mittlere Unternehmen, die einen konkreten Bezug zu den Empfängern ihrer Spende suchen. „Im Idealfall ist es ein Firmenchef oder eine Führungskraft aus der Region München, die gerne selbst Telefonseelsorger wäre, dies aber aus Zeitgründen nicht schafft und deshalb spenden möchte.“ Andere wiederum schätzen die Möglichkeit der Begegnung mit den Menschen, die sie fördern. Im Austausch können sich beide Seiten bereichern und aneinander wachsen. Dafür gibt es auf Wunsch Besuche bei den Förderern und Einladungen, die Telefonseelsorge vor Ort kennenzulernen.

Und wie kommt man zusammen? Der einfachste Weg führt über die Website des Fördervereins unter https://www.sorgen-teilen-muenchen.de, dann folgt – wie kann es bei der Telefonseelsorge anders sein – ein Telefonat. „Ganz unkompliziert von Mensch zu Mensch“, meint Aglaia Schwerdtfeger. „Alles beginnt mit einem einfachen Schritt.“

Förderverein der Evangelischen TelefonSeelsorge München e.V.

IBAN: DE56 7601 0085 0081 3818 58, BIC: PBNKDEFF.

Ein Interview mit dem Leiter der Evangelischen Telefonseelsorge Norbert Ellinger als Podcast

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