Rettung und Umstrukturierung mit Fördermitteln – wie geht das?

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Gleich vorweg: Umschuldung ist nicht gemeint, wenn Kai Schimmelfeder aus Hamburg von Rettung und Umstrukturierung spricht. “Dafür gibt es die üblichen KfW-Kredite” meint er und verweist auf Programme wie zum Beispiel KfW Gründerkredit Universell oder KfW-Unternehmerkredit. Rettung und Umstrukturierung heißt für ihn, dass notwendige Liquidität für einen klar definierten Zeitraum aus geförderten Finanzmitteln zur Verfügung gestellt wird. Er wird dazu am 6. Juli 2015 um 18.30 Uhr beim Meeting des Europäischen Finance Forum (eff) in Hamburg einen Vortrag halten. FörderMag fragte nach, worum es geht.

FörderMag: Herr Schimmelfeder, Sie sprechen im Rahmen von “Rettung und Umstrukturierung” von einem klar definierten Zeitraum, für den die Finanzmittel gebraucht werden. Das bedeutet aber wohl auch, es muss einen überzeugenden Plan geben, mit dem ein Unternehmen in diesem Zeitraum einen Turnaround schaffen kann.

Kai Schimmelfeder: Die Zeiträume in denen diese Fördermittel aus dem Bereich „Rettung- und Umstrukturierungshilfen“ benötigt werden, sind durch einen speziell vorgeschriebenen Umstrukturierungsplan nachzuweisen, der durch die Europäische Kommission mit Parametern vorgeschrieben ist. Unternehmen kommen dabei nur für staatliche Beihilfen in Betracht, wenn sie alle Möglichkeiten des Marktes ausgeschöpft haben und die Form dieser Unterstützung erforderlich ist, um ein klar definiertes Ziel von gemeinsamem Interesse zu erreichen. Die speziellen öffentlichen Fördermittel, das können Förderkredite, Zuschüsse oder Steuervorteile sein, die wir hier ansprechen, sind nur für den Bereich „Rettung und Umstrukturierung“ und gehören in den besonders geregelten Beihilfenbereich für „Unternehmen in Schwierigkeiten“. Die speziellen Leitlinien der europäischen Kommission gestatten den Unternehmen nur einmal in zehn Jahren diese Beihilfen. Die Fördermittel für diese Unternehmen sind in drei Phasen bzw. geförderte Finanzmittel unterteilt.

FörderMag: Mit “geförderten Finanzmitteln” sprechen Sie EU-Fördermittel, die es zu diesem Zweck gibt, an.

Kai Schimmelfeder: Ja richtig. In den Bundesländern gibt es verschiedene Bezeichnungen für diese Art der Fördermittel. Jedes Bundesland entscheidet das für sich. Grundsätzlich sieht die Europäische Kommission folgende drei Bereiche vor: Erstens: Die „Rettungsbeihilfen“ – diese müssen auf den Betrag begrenzt sein, der erforderlich ist, um das begünstigte Unternehmen sechs Monate lang weiterzuführen. Damit ist das Problem der Liquidität lösbar. Zweitens: Die „Umstrukturierungsbeihilfen“ – diese sind bis max. 12 Monate für den Bereich der Umstrukturierung. Drittens: Die „vorübergehenden Umstrukturierungshilfen“ – die einen maximalen Zeitraum von 18 Monaten abdecken können und die wesentlichsten Restrukturierungsmaßnahmen finanziell mit abdecken soll.

FörderMag: Welche Vorteile hat die Finanzierung in dieser Phase über Fördermittel?

Kai Schimmelfeder: Grundsätzlich könnten derartige Beihilfen zur Unterstützung des gesamten Umstrukturierungsprozesses verwendet werden. Es wird damit Liquidität zur Verfügung gestellt. Im Allgemeinen gilt: Rettungsbeihilfen liegt das allgemeine Prinzip zugrunde, dass sie die vorübergehende Stützung eines Unternehmens ermöglichen, das mit einer erheblichen Verschlechterung seiner Finanzlage beispielsweise durch akute Liquiditätsprobleme oder technische Insolvenz konfrontiert ist. Die Unternehmen sind somit in einer sehr extremen Lage und die Fördermittel sind nur ein Teil aus den notwendigen Arbeitspunkten. Wenn es das Management des betreffenden Unternehmens schafft, diese Fördermittel erfolgreich zu beantragen und zu bekommen, dann ist schon ein Stück Weg in der umfassenden Restrukturierung gegangen. Richtig eingesetzt verschaffen diese Fördermittel Zeit. Zeit die benötigt wird, um die wichtigen Restrukturierungsmaßnahmen erfolgreich zu implementieren.

FörderMag: Wer hat Chancen, auf diese Weise gefördert zu werden?

Kai Schimmelfeder: Im Sinne dieser Leitlinien gilt ein Unternehmen als antragsberechtigt, wenn es als Unternehmen in Schwierigkeiten identifiziert werden kann. Wenn es auf kurze oder mittlere Sicht so gut wie sicher zur Einstellung seiner Geschäftstätigkeiten gezwungen sein wird, wenn der Staat nicht eingreift. Formal bedeutet es für KMU (kleine und mittlere Unternehmen), dass z.B. mehr als die Hälfte des gezeichneten Stammkapitals infolge aufgelaufener Verluste verlorengegangen ist, oder bei Personengesellschaften der Verlust der hälftigen Eigenmittel. Es kann aber auch ein Unternehmen in Insolvenz sein. Bei großen Unternehmen muss der buchwertbasierte Verschuldungsgrad über 7,5 und das Verhältnis des EBITDA zu den Zinsaufwendungen unter 1 sein. Grundsätzlich sollen Unternehmen in den ersten drei Jahren keine solcher Fördermittel bekommen, aber davon gibt es Ausnahmen.

FörderMag: Welche Fehler werden häufig beim Thema Rettung und Umstrukturierung gemacht?

Kai Schimmelfeder: Die wissenschaftlichen Studien zeigen eindeutig auf, dass man die Ursachen in Unternehmen, die auf die Straße der Krise führen, mindestens zwei Jahre vorher hätte erkennen können. Durch den langen Zeitraum auf dem falschen Weg ergibt sich dann auch, dass die Maßnahmen im Unternehmen bzw. in der Zeit der Rettung und Umstrukturierung sehr starke Einschnitte und Veränderungen mit sich bringen müssen. Die Zeit der Optimierung bzw. für die Restrukturierungsmaßnahmen ist sehr kurz, weil sichtbare Erfolge schnell erkennbar sein müssen. Was das Management zwei Jahre versäumt hat, kann man nur mit erheblichen Veränderungen korrigieren. Trotzdem entsteht oft der Fehler, dass Maßnahmen nicht umfänglich und intensiv genug eingeleitet und umgesetzt werden: Halbherzigkeit ist ein Fehler und damit verbunden eine zu positive Planung bei zu wenig wirkungsvollen Maßnahmen.

FörderMag: Welche Vorteile verspricht hier der Einsatz eines Fördermittelberaters?

Kai Schimmelfeder: Ein Unternehmen welches sich in Schwierigkeiten befindet, oder auch „nur“ Liquiditätsschwierigkeiten hat, hat sehr viele Dinge zu tun, um das Unternehmen aus eigenen Mitteln wieder flott zu bekommen. Aber hier liegt auch schon der Ansatz einen professionell ausgebildeten Fördermittelberater ins Unternehmen zu holen. Die Extra-Zeit die ein Fördermittel mitbringt und das spezielle Wissen. Woher soll ein Unternehmen, das unter Liquiditäts- und Veränderungsdruck steht, noch die Kraft nehmen, die richtigen und sinnvollen Fördermittel für Unternehmen in Schwierigkeiten bzw. für „Rettung und Umstrukturierung“ herauszufinden? Das fängt schon an bei der Frage: „Wo suche ich Fördermittel?, Welche Richtlinien muss das Unternehmen beachten? Welche Anforderungen muss das Unternehmen erfüllen? Wie bekommen ich die Fördermittel? und „Wie lange dauert das“, etc.. Wir haben in unserer eigenen Fördermittel-Datenbank über 5.000 Fördermittel eingepflegt, die täglich gepflegt werden. Fördermittel für Gründung, Unternehmenskauf, Innovation, Umwelt, usw. und natürlich auch die für „Rettung und Umstrukturierung“. Wir sind mit nichts anderem als mit Fördermittel- und Finanzierung für Unternehmen beschäftigt. Ein Unternehmen in Schwierigkeiten sollte sich schon aus Zeitgründen einen ausgebildeten Fördermittelberater ins Unternehmen holen, um die möglichen Fördermittel beantragen zu lassen und diese somit nicht zu verpassen!

FörderMag: Herr Schimmelfeder, wir danken für das Gespräch.

Kai Schimmelfeder ist Inhaber des Beratungsunternehmens feder consulting GmbH und wird am Montag, den 6. Juli 2015 beim Meeting des Europäischen Finance Forum (eff) in Hamburg ab 18.30 Uhr einen Vortrag zum Thema “Rettung und Umstrukturierung von Unternehmen mit Hilfe von geförderten Finanzmitteln” halten.

Die Möglichkeit zur Anmeldung beim Meeting des Europäischen Finance Forum eff in Hamburg finden Sie hier

Mehr zu Kai Schimmelfeder und seine Beratungsangebot finden Sie hier

Kai Schimmelfeder beim FörderMag

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