Neuer Studiengang Zertifizierte(n) Fördermittelberater

Teacher giving instructions to a couple of students

Seit Herbst 2014 bietet der Bundesverband Kapital für den Mittelstand e. V. (BKM) zusammen mit der Fachhochschule Kaiserslautern eine Ausbildung zum Fördermittelberater an. Ich sprach mit Prof. Karl-Wilhelm Giersberg und dem Leiter der VALEA Fördermittelberatung Michael D. G. Wandt über die Hintergründe der Initiative.

Zu den Personen:

Prof. Dr. Karl-Wilhelm Giersberg ist seit 1997 Professor an der Hochschule Kaiserslautern, Zweigstelle Zweibrücken sowie Präsident des BKM Bundesverband Kapital für den Mittelstand e. V. und Vorsitzender des Fachverbands Finanzierung im BDU, beide in Bonn.

Michael D. G. Wandt ist seit 1982 wissenschaftlich im Bereich Fördermittel tätig. Seit 1986 arbeitet er als Berater für Unternehmen und hat seitdem rund 16.000 Fördervorhaben mit seinen Teams begleitet. Der Dipl.-Wirtsch.-Ing. Maschinenbau arbeitet seit 2003 in der VALEA Unternehmensberatung BDU und ist dort Leiter der Fördermittelberatung unter der Marke WABECO Subventionslotse®.

Herr Professor Giersberg, Sie bieten in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Kapital für den Mittelstand e.V. ab dem kommenden Wintersemester einen neuen Studiengang Fördermittelberatung an. Warum?

Prof. Dr. Karl-Wilhelm Giersberg: Die fachliche Ausbildung in der Finanzierungsberatung ist mir ein besonderes Anliegen. Es gibt in Deutschland bisher keine fundierte akademische Ausbildung zum Fördermittelberater beziehungsweise Subventionsmanager, wie dies an Hochschulen im Ausland bereits üblich ist.

Michael Wandt: Viele Unternehmen setzen Fördermittel nicht ein, da sie nicht wissen, welche Mittel man wofür und wo bekommen kann. So suchen sie Mittler, die die Förderung verstehen, im Interesse des Unternehmens planen und realisieren und so mit Rat und Tat den Unternehmen zur Seite stehen.

Herr Wandt, was ist eigentlich für einen Berater das Problem bei einer Fördermittelberatung? Warum kann sich ein Berater nicht einfach “on the job” die Kenntnisse, die er für ein spezielles Beratungsmandat benötigt, aneignen?

Michael Wandt: Einzelberater machen durch „try & error“ punktuelle Erfahrungen. Im Studium hingegen werden wissenschaftliche Grundlagen und das Praxiswissen erfahrener Fördermittelspezialisten von Projektträgern, Ministerien und international tätigen Beratungsunternehmen vermittelt.

Herr Professor Giersberg, wie soll der Studiengang konkret ablaufen?

Prof. Dr. Karl-Wilhelm Giersberg: Der Studiengang ist auf acht Module angelegt. Davon sollen je vier pro Semester gelehrt werden. Studieren kann jeder, der über eine Hochschulreife (FH) verfügt. Die einzelnen Module haben jeweils einen Workload von 74 Stunden. Davon sind 24 Stunden Kontaktzeit, 48 Stunden Selbststudium und 2 Stunden Prüfung. Die Präsenzveranstaltungen finden jeweils von Mittwoch bis Samstag überwiegend in der Hochschule Zweibrücken und im Technologie- und Innovationszentrum in Gießen statt. Mindestens ein Modul soll im Raum Köln-Bonn stattfinden, weil dort zahlreiche Förderstellen und Ministerien angesiedelt sind, deren Experten in das Studium eingebunden werden sollen. Die Module sind so terminiert, dass ein nebenberufliches Studium möglich ist. Ergänzend finden Abendveranstaltungen statt, in denen man außerhalb des Lehrstoffs mit Förderinstituten in Kontakt kommen kann. Nach bestandenen Einzelprüfungen erhält jeder Student ein Hochschulzertifikat als „Zertifizierte(r) Fördermittelberater(in) (FH)“ mit der entsprechenden Abschlussnote als Durchschnitt der Einzelprüfungen.

Setzen Sie bei dem Studiengang bestimmte Schwerpunkte?

Prof. Dr. Karl-Wilhelm Giersberg: Wir orientieren uns an den Zielen und Bedürfnissen der Unternehmensfinanzierung. Dazu kommen die detaillierten Fachkenntnisse und Methoden, die in einer Unternehmensfinanzierung eingesetzt werden können und nach meiner Ansicht auch eingesetzt werden sollen.

Michael Wandt: In einem Studium gibt es immer den Ansatz die vollständige Breite eines Themas zu vermitteln. Die Module, die sich an den Förderungen zu bestimmten Themen ausrichten, werden eine Mischung aus der Systematik der Förderung zum jeweiligen Thema sein, aber auch aktuelle Strukturen aufgreifen. Den eigentlichen Schwerpunkt der Ausbildung sehe ich in der strukturierten Vorgehensweise bei der Ermittlung von Förderquellen und der Durchsetzung von Anträgen, sowie der Optimierung der Abrufphase. Dabei sind die relevanten Kompetenzen zu den Themen, die in der Förderung wichtig sind, zu vermitteln.

Mit welchen Kosten haben die Teilnehmer zu rechnen?

Prof. Dr. Karl-Wilhelm Giersberg: Für beide Semester zusammen wird eine Ausbildungsgebühr von 9.450 Euro erhoben. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Wir gehen anfänglich von 12 Studierenden aus und wollen nicht mehr als 20 Studierende in einem Jahrgang haben, um die individuelle Betreuung zu gewährleisten. Wir als Hochschule und der Bundesverband Kapital für den Mittelstand e. V. sind beide nicht auf Profit ausgerichtet und setzen die Mittel für die Studierenden ein. So übernimmt der BKM die Mehrkosten für Spezialreferenten, die man sonst niemals an einer Hochschule antreffen würde. Die Besonderheit bei dieser Ausbildung ist das Zusatzmodul für reale Beantragungsprojekte während des Studiums. Hier können sich die Studierenden durch eine Beantragung begleiten lassen. So könnte die Ausbildungsgebühr während des Studiums verdient werden. Die Studierenden lernen dabei das erworbene Wissen einzusetzen und worauf in Beantragungsprojekten zu achten ist.

Wie können Berater, die sich für den Studiengang interessieren, Kontakt aufnehmen?

Prof. Dr. Karl-Wilhelm Giersberg: Die Interessierten wenden sich an den BKM Bundesverband Kapital für den Mittelstand e. V., Bonn. Sie finden den BKM unter www.kapital-mittelstand.de im Internet. Sie können auch einfach den Kollegen Wandt ansprechen und ihn über die wandt@kapital-mittelstand.de anmailen. Die Bewerber können sich dort vormerken lassen. Unterlagen und weitergehende Beschreibungen zum Studiengang, wie die vermittelten Kompetenzen und die Inhalte der Module, liegen vor.

Welche Entwicklungen sehen Sie in den nächsten Jahren im Bereich Fördermittel?

Michael Wandt: Zuerst einmal wird wieder alles anders und bleibt doch gleich. Es wird grundsätzlich dabei bleiben, dass positive externe Effekte in Unternehmen bezuschusst werden. Die wesentlichste Änderung erwarten wir im Bereich der Personenförderung zu den Themen Qualifizierung und Weiterbildung. Hier ist Deutschland derzeit noch weit weg von den Förderungen anderer EU-Staaten.

Prof. Dr. Karl-Wilhelm Giersberg: Aus meiner Sicht kann die Förderung in Zukunft die Lücken in der Finanzierung füllen, die Banken heute nicht mehr abdecken können oder abdecken wollen bzw. die Unternehmen nach den Krisenerfahrungen der Jahre 2002 und 2003, sowie 2008 und 2009 nicht mehr mit Banken abdecken wollen. So sollte sich die Förderung auf Risikokapital und Nachrangdarlehen konzentrieren. Das sollte vor allem in den Bereichen gelten, in denen Banken nicht aktiv sind, wie bei Innovationsvorhaben.

Herr Professor Giersberg, Herr Wandt, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Martin Buttenmüller

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