Günther goes digital

Ein Kommentar von Martin Buttenmüller zur Geldpolitik.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

nun also das Digitale: Günther Öttinger wird zukünftig als EU-Kommissar die Digitalisierung Europas vorantreiben. “Eine Fehlbesetzung” schoss es mir automatisch durch den Kopf, aber mein innerer Kritiker warf mir sofort Voreingenommenheit vor. Schließlich haben viele von uns schon vor einigen Jahren, als ihn seine Partei vom Posten des baden-württembergischen Ministerpräsidenten zur EU abschob, den Kopf geschüttelt. Niemand traute ihm den Job als Energie-Kommissar zu, eine unglückliche schwäbisch-englische Rede tat ihr übriges, um ihn zeitweise zur Witzfigur zu machen.

Und dann überraschte er doch alle, bewegte sich auf dem EU-Parkett relativ unfallfrei und erarbeitete sich zum Thema Energie eine eigene Position. So wandte er sich gegen eine Ideologisierung der deutschen Energiewende und wies nüchtern auf deren Risiken hin. Zuletzt setzte er sich für eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema Fracking ein und machte eigene Vorschläge für EU-Sanktionen gegen Russland.

In Zukunft wird er als EU-Kommissar für die Digitalisierung Europas zuständig sein, und die Geschichte wiederholt sich: Günther Öttinger gilt nicht gerade als “Digital native”. Aber seine Ankündigung, sich jetzt einige Wochen einarbeiten und eine Vision für Europa entwickeln zu wollen, sollte man durchaus ernst nehmen. Er kann ein Thema besetzen, entwickeln und vorantreiben, das hat er bewiesen. Geben wir ihm deshalb die üblichen 100 Tage Zeit, sich zu bewähren und stempeln ihn nicht von vornherein zu etwas, was er auch vorher schon nicht war: zu einer Fehlbesetzung.

Ihr

Martin Buttenmüller

 

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