eAutos: jeder wartet auf jeden

young men hitchhiking on a road

Einen “intensiven Workshop” habe man gehabt, berichtet die neue Referentin für Umwelt- und Gesundheitsfragen in München. Das Thema: Stephanie Jacobs wollte den Unternehmen die 22,2 Millionen Euro aus dem Förderprogramm für Elektromobile schmackhaft machen. Möglichst viel des gewerblichen Verkehrs, so das Ziel, soll mit Elektroenergie durch die bayerische Hauptstadt fahren. Sehr gut, sagt sich der geneigte Beobachter. Aber wo ist eigentlich das Problem?

München ist ein Beispiel dafür, wie in Sachen eAuto bisher viel geredet und wenig getan wird. So ist das Förderprogramm schon seit dem Frühjahr beschlossene Sache, aber die Förderrichtlinien sollen erst im Dezember vom Stadtrat beschlossen werden. Man rede mit den Unternehmen, um wirksame Anreize zum Kauf und Betrieb eines Elektromobils zu schaffen. Das Ergebnis war vorhersehbar: die Unternehmen fordern statt der bisher vorgesehenen 2.500 Euro mehr Zuschüsse, von bis zu 5.500 Euro je eFahrzeug ist jetzt die Rede. Wird das jetzt endlich der Startschuss für eMünchen? Eine Umfrage der Süddeutschen Zeitung bei Unternehmern fällt ernüchternd aus. Man prüfe es gerade, sagt ein Vertreter der Deutschen Bahn. Man denke darüber nach, lässt die Polizei verlauten. Immerhin ein Taxiunternehmen fährt schon mit zwei reinen eAutos und kann sich vorstellen, weitere anzuschaffen.

Man reibt sich die Augen. Wie lange reden wir denn nun schon davon, das eAuto auf Deutschlands Straßen zu bringen? Das Problem ist: jeder wartet ab, niemand geht ins Risiko. Man wartet auf die konkreten Richtlinien des Förderprogramms. Man wartet auf ein Netz an Ladestationen. Man wartet auf bessere Batterien und mehr Reichweite. Und auch die Bürokratie ist ein Hemmschuh: So wird man in München bis zum April 2016 warten müssen, bis man endlich Förderanträge stellen kann.

Jeder wartet auf jeden, und so bleibt eine Vision, die Elektrifizierung des Straßenverkehrs, im Klein-Klein der Einzelinteressen stecken. Die Lösung wäre ein großes Unternehmen, das voll ins Risiko geht und in großer Zahl eFahrzeuge anschafft, ein Ladenetzwerk aufbaut und im praktischen Betrieb zeigt, dass der Betrieb von eFahrzeugen wirtschaftlich und sinnvoll gestaltet werden kann. Entsprechende Pilotprojekte haben das längst gezeigt. Aber ein Unternehmen, das über seinen Schatten springt und die eHerausforderung annimmt, ist nicht in Sicht.

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