Die Welt, wie sie gefällt

Es ist immer schön, wenn man Alternativen hat. Fisch oder Fleisch? Mit Anne ausgehen oder doch mit Nina? Eine neue Dimension der Alternativen hat nun der Sprecher des neuen amerikanischen Präsidenten eröffnet, vermutlich ohne zu wissen, welchen Sprung er damit der Alternativen-Forschung ermöglicht hat. Er, sein Name ist Sean Spicer, sagte: ” “Das war die größte Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat”, und dann noch: “Punkt.” Das war natürlich glatt gelogen, mit Leichtigkeit gelang den Medien der Gegenbeweis, und Spicer wurde heftig kritisiert. Das war aber noch nicht das Zitat, wir suchen eine Frau, die ihm beigestanden hat: Spicer habe nur “alternative Fakten” präsentiert. Wer wer die Frau?

Das ist nun wirklich ein kühner Gedanke, ein Meilenstein. Bisher ging man in der Forschung davon aus, dass Alternativen immer vor und nicht nach einer Realisierung bestehen: die Realisierung killt alle Alternativen bis auf eine, nämlich die, die man gewählt hat. Man ist nicht mit Anne UND mit Nina ausgegangen, sondern mit Anne ODER mit Nina,  jedenfalls so lange man von einem Zweier-Date spricht. Und man hat Fleisch ODER Fisch gehabt, sofern man über einen durchschnittlichen Appetit verfügt. Die Zitategeberin führt uns jedoch in eine Welt, in der beide Fakten richtig sein können. “Alternative Fakten” seien das. Man kann sich also aussuchen, was Realität ist oder nicht. Mal erzählt man von dem entzückenden Date mit Nina und dem tollen Fisch, den man im Restaurant genossen habe. Oder dass Anne das Fleisch gestern Abend nicht mochte. Auf Widersprüche hingewiesen kann man stets sagen: naja, das sind eben alternative Fakten. Such dir welche aus. Mach dir die Welt, wie sie dir gefällt, nichts ist unmöglich. Zitategeberin war Kellyanne Conway, sie wird “Spitzenberaterin” des Präsidenten genannt. Spitzenberaterin? God bless America!

Zitiert auf der Website der Tagesschau

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