Die Post pusht das E-Mobil

Streetscooter Deutsche Post DHL 620

FAZ: Man lese und staune, und zwar darüber, dass die Post mit ihrem Partner Ford jetzt schon das dritte Modell des batteriegetriebenen E-Scooters auf den Markt bringt. Nach und nach sollen die emissionsfreien Fahrzeuge die 40.000 Kleintransporter, die die Post derzeit im Einsatz hat, ersetzen, und man denkt schon darüber hinaus: Das Gemeinschaftsprojekt zwischen Post und Ford werde in Zukunft Europas größter Produzent von emissionsfreien, mittelgroßen E-Transportern sein. Man plant, in wenigen Jahren 30.000 E-Transporter jährlich herzustellen.

Kommentar: Nun ist es leicht, in Häme auszubrechen und sich darüber auszulassen, dass die Post die Zeichen der Zeit erkannt habe und die schlafenden klassischen Automobilbauer mal eben links überholt habe. Die Angelegenheit hat nämlich eine innere Logik, die auch in vielen anderen Branchen so funktioniert. Kunden, die viel Geld an einen Lieferanten bezahlen, überlegen immer mal wieder, ob man das Geschäft nicht lieber selbst macht. Und die Post, die naturgemäß in vielen Innenstädten unterwegs ist, hat hier auch von ökologischer Seite Handlungsdruck. So wird es auch in anderen Branchen immer wieder vorkommen, dass Großkunden der Automobilindustrie ihre Autos selbst bauen, vor allem auch, weil die Technologie der E-Autos weit weniger komplex ist als bei den Fahrzeugen mit Benzin- und Dieselmotoren. Die Frage wird sein, warum die neuen Hersteller von Fahrzeugen die klassische Automobilindustrie überhaupt mit ins Boot nehmen sollen. Im Moment ist es einfach deshalb, weil das Entwicklungskosten spart (man baut die neuen E-Autos auf die Karosserien der konventionellen Fahrzeuge auf). Hinzu kommt noch das Problem der Ersatzteillogistik, hier verfügen die klassischen Autobauer über ein funktionierendes Netz an Werkstätten und Ersatzteilhändlern. Doch ist dieser Vorteil endlich, Elon Musk und sein Tesla haben gezeigt, dass man auch diese Probleme aus eigener Kraft stemmen kann. Deshalb ist auch der E-Scooter ein weiterer Warnschuss, aber auch ein Hoffnungszeichen: Wenn die klassische Automobilindustrie untergeht, gibt es eben andere Unternehmen, die in diese Lücke springen und neue Arbeitsplätze schaffen. Das nennt man dann Markt.

Den Beitrag “Die Post und Ford bauen batteriegetriebene Transporter” finden Sie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Printausgabe) vom 17.8.2017, Seite 22

Foto: Deutsche Post / DHL

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