Der Trend geht zum autonomen Töten

Wenn es um künstliche Intelligenz geht, müssen die Dinge zu Ende gedacht werden, und das Ergebnis dieser Gedanken haben 100 Unternehmer in einem Brief zusammen gefasst. Es geht um das autonome Töten, genauer gesagt um Killerroboter. “Einmal erfunden, könnten sie bewaffnete Konflikte erlauben in einem nie dagewesenen Ausmaß und schneller, als Menschen sie begreifen können.” Nun ja, was denn sonst? Alles wird intensiver, größer und schneller, selbstverständlich auch die bewaffneten Konflikte. Und wenn heute schon jeder glaubt, dass das autonome Fahren bald kommen wird – warum sollte es kein autonomes Töten geben? Es gibt ja schon diese halbautonomen Drohnen, bei denen der Kämpfer mit Krawatte und Kaffeetasse im Bürostuhl sitzt und – bewaffnet mit einem Joystick – mit seiner Drohne Jagd auf Terroristen macht. Terroristen, die viele 1000 Kilometer weit weg ihres Lebens nicht mehr sicher sein können. Bald ist auch der Bürokämpfer wegrationalisiert, die Drohne macht das ganz allein. Und dann geht es nicht mehr nur gegen Terroristen, sondern gegen Soldaten, Politiker und jeden, der irgendwie auf die Abschussliste dieser Killerroboter gerät. Kriege werden In Zukunft von denen gewonnen, die das Töten am besten programmieren können. Soll einer sagen, die Digitalisierung schaffe keine Arbeitsplätze, im IT-Bereich zumindest, an den Unis wird es Studienfächer wie “Waffenprogrammierung” geben. Doch zurück zum Rätsel, das dieses Mal lautet: An wen ging der Brief der 100 Unternehmer?

Tja, an wen schickt man denn noch so etwas Altmodisches wie einen Brief? Da es um die Folgen der Digitalisierung geht, hätte man wohl eher eine E-Mail erwartet. Aber Brief klingt einfach gewichtiger, ist ja auch Wurscht. Nikolaus und Weihnachtsmann waren nicht die Empfänger, auch die Bundeskanzlerin nicht, selbst Horst Seehofer kommt nicht in Frage, obwohl es auch um bayerische Arbeitsplätze geht. Nein, die vereinten Nationen haben den Brief bekommen, weil Krieg eine universelle Gefahr ist und jeden etwas angeht, und das ist wohl auch richtig so.

Zitiert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 22.8.2017, Printausgabe, Seite 20, im Beitrag “Große Schwärme tödlicher Mikrodrohnen”

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