Den Spracherwerb fördern – wie geht das?

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Nicht erst mit den Familien, die in den letzten Jahren nach Deutschland geflüchtet sind, füllen sich Kindergärten immer mehr mit Kindern, die die deutsche Sprache nicht oder kaum beherrschen. Hier werden schon Weichen gestellt für das spätere Leben, denn der Schlüssel zum späteren schulischen Erfolg liegt darin, dass Kinder die Sprache gut beherrschen – und das so früh wie möglich. Doch wie funktioniert Spracherwerb Alltag eines Kindergartens? Ein Besuch in der katholischen Kindertagesstätte St. Theresia in Mannheim zeigt, mit wieviel Einsatz hier ebenso wie in vielen anderen EinrichtungenSprache spielerisch vermittelt wird.

Die fünfjährige Milena ist eine ganz besonders neugierige Kundin am Eisstand. Was ist denn da überhaupt drin, in so einem Eis? Wie wird es gemacht? Und warum sieht die Schokokugel dunkel, die Vanillekugel dagegen hell aus? Arda (6), Dustin (5) und Lenni (6) geben ausführlich und kompetent Auskunft – schließlich haben die Kinder aus der Kindertagesstätte St. Theresia im Mannheimer Stadtteil Neckarstadt-West das Eis selbst gemacht. Gelernt haben sie dabei nicht nur, wie sie selbst Eis herstellen können, sondern vor allem: wie sie sich in der Gruppe verständigen und wie sie das Eis anbieten müssen, um Abnehmer zu finden. Anders ausgedrückt: Wie sie die deutsche Sprache nutzen, um im Alltag ihre Ziele zu erreichen. Diese Fähigkeit ist keine Selbstverständlichkeit: Die Kinder wohnen in der Mannheimer Neckarstadt-West. Hier leben etwa 21.000 Menschen aus über 100 Nationen – für 62,7 Prozent der Bewohner ist Deutsch nicht die Muttersprache. In der Kindertagesstätte liegt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bei über 80 Prozent.

Ab dem ersten Kindergartenjahr, also in der Regel ab dem Alter von drei Jahren, werden Gruppen von bis zu sieben Kindern gefördert. „Die kleinen Gruppen haben den Vorteil, dass man sich um die einzelnen Kinder besser kümmern kann“, erklärt Nicole Joiner, Leiterin der Kindertagesstätte in der Neckarstadt-West. Die Integration des Angebots in den Kindergartenalltag ist ihr dabei wichtig: „Sprachförderung wird mit dem verknüpft, was die Kinder gerade interessiert.“ Dazu gehört, dass sie Situationen meistern, an denen sie wachsen können. Die Kinder besuchen Schwimmbäder, Museen oder Bibliotheken und lernen durch den intensiven Kontakt mit der Sprache, wie sie sich ausdrücken müssen, um diese Angebote sinnvoll nutzen zu können. In den drei Jahren bis zum Schuleintritt erwerben sie auf diese Weise so viel Sprachkompetenz, dass sie dem Unterricht in der Grundschule folgen können.

Milena hat sich mittlerweile für ein Schokoeis entschieden. “Schmeckt lecker„, ist sie zufrieden und bittet Arda, Dustin und Lenni um eine Liste der Zutaten, damit sie sich Zuhause selbst eines zubereiten kann. Nachdem alle Kinder ihr Eis hatten, bekommen auch die Erzieherinnen eines. “Aber nur eine Kugel„, meint Arda streng. “Zuviel ist ungesund.”

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