Demografie: Der Mittelstand wird alt

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Klar, die Arbeitnehmerschaft wird durchschnittlich immer älter, das zeigt die Demografie und darauf stellen sich viele Unternehmen schon lange ein. Doch wie sieht es bei den Unternehmern aus? Die KfW wertete jetzt eine seit 2003 jährlich durchgeführte Mittelstandsbefragung (“Mittelstandspanel”) und stellte fest, dass 1,3 Millionen Inhaber mittelständischer Unternehmer 55 Jahre oder älter sind. Das Durchschnittsalter ist von im Zeitraum von 2002 bis 2013 von 45 auf 51 Jahre gestiegen. Gleichzeitig sank der Anteil der Unternehmer unter 40 Jahren seit 2002 um die Hälfte von 12 auf 6 Prozent.

Doch was heißt das für die Innovationsbereitschaft? Seit Udo Jürgens wissen wir ja, dass das Leben im fortgeschrittenen im Alter so richtig los geht, manchmal sogar erst mit 66 Jahren, Werbung und Medien suggerieren den Typus des aktiven und innovatien alten Menschen. Die KfW-Untersuchung zeigt das Gegenteil: Je älter ein Unternehmer eines mittelständischen Unternehmens ist, desto mehr fährt er das Unternehmen auf Verschleiß und vermeidet umfangreiche Investitionen. So investieren jüngere Unternehmer unter 60 Jahren im untersuchten Zeitraum zu 57 Prozent, während die älteren (60 und älter) dies nur zu 37 Prozent tun. Auch die Art der Investitionen unterscheidet sich: Vorherrschend sind vor allem Erhaltungsinvestitionen, während Investitionen in Kapazitätserweiterungen bei älteren Unternehmern nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Folge sind eine Verringerung der Unternehmenssubstanz und geringes Wachstum.

Warum ist das so? Die Autoren der KfW-Untersuchung nennen den mit zunehmendem Alter geringer werdenen Planungshorizont – wer sein Unternehmen nicht mehr lange führen kann oder will, investiert automatisch weniger. Bremsend auf die Innovationsbereitschaft wirkt sich auch eine überdurchschnittlich häufig geäußerte pessimistische Grundstimmung hinsichtlich der Entwicklung in der näheren Zukunft aus.

Das Fazit der Untersuchung ist, dass sich die Demografie negtiv auf die Innovationsbereitschaft des Mittelstandes auswirkt. Und dies nicht erst, wenn mangels Nachfolger Unternehmen schließen müssen, sondern bereits weit im Vorfeld. Die Autoren schlagen eine frühzeitig geplante Übergabe des Unternehmens sowie die langfristige Beteiligung des Alt-Unternehmers an den Erträgen der getätigten Investitionen auch nach der Übergabe vor.

Hier finden Sie die Untersuchung von KfW Research (PDF-Datei)

Zur Innovationsfähigkeit des Mittelstands ein Interview mit dem Berater Wolfgang Riedel aus Karlsruhe

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