Banken-Barometer: Sind die Banken der Flaschenhals?

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Für Gründungen, Innovationen, Ressourcen- und Energieeffizienz und viele weitere betriebliche Anlässe gibt es eine fast unüberschaubare Zahl an Förderprogrammen auf EU-, Bundes- und Länderebene. Alle haben sie eines gemeinsam: sie werden in der Regel von den Förderinstituten über die Hausbank ausgereicht. Doch funktioniert das auch in der Praxis oder wird dieses “Hausbankenprinzip” zum Flaschenhals? Der KMU-Berater-Verband und die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de haben in ihrem aktuellen Bankenbarometer analysiert, wie es um die Bereitschaft der Banken bestellt ist, über Förderprogramme zu beraten. Fördermag befragte Andreas Glandorf, Mitglied der Fachgruppe Finanzierung-Rating beim KMU-Berater-Verband, zu den Ergebnissen.

Fördermag: Der Unternehmer, der sich von seiner Bank beraten lässt, glaubt meist, dass er in der Beratung auf Fördermöglichkeiten hingewiesen wird. Ist das so?

Andreas Glandorf: Leider ist dies tatsächlich nicht so. Dies wird durch die kürzlich von unserem Verband durchgeführte Umfrage, das KMU-Banken-Barometer 2015, bestätigt. Lediglich 19 % der befragten Unternehmen stimmen danach der Aussage voll zu, dass ihre Hausbank Förderkredite aktiv anbietet. Für 58 % der Teilnehmer trifft diese Aussage überwiegend nicht oder überhaupt nicht zu. Dabei ist durchaus zwischen den Institutsgruppen zu differenzieren: Am besten bewerten die Unternehmen die aktive Ansprache auf öffentliche Förderprogramme seitens der Genossenschaftsbanken, dann folgen mit etwas Abstand die Sparkassen und mit sehr großem Abstand die Geschäftsbanken.

Fördermag: Eine Aussage des Bankenbarometers ist auch, dass kleinere Unternehmen noch seltener aktiv auf Fördermittel angesprochen werden als bei etablierten Unternehmen. Woran kann das liegen?

Andreas Glandorf: Sicherlich spielt hier die interne Kalkulation der Banken eine Rolle: Die Antragsverfahren insbesondere im Bereich von Umweltmitteln oder Existenzgründungen sind teilweise sehr umfangreich. Mit diesem Fixkostenblock argumentieren die Institute oft. Allerdings bieten die bonitätsabhängigen Preissysteme der Förderbanken den Hausbanken der Unternehmen aus unserer Sicht durchaus vernünftige Verdienstspannen. Und diese sind seit Jahren unverändert und unterliegen nicht dem Ertragsdruck der Tiefzinsphase. Darüber hinaus können die Banken und Sparkassen in einigen Programmen einen Teil ihres Kreditrisikos über die sog. Haftungsfreistellung auf die Förderbanken übertragen, ohne das ihre Zinsmarge reduziert wird – dafür sollte auch ein gewisser Bearbeitungsaufwand positiv gesehen werden.

Fördermag: Die Ergebnisse des Bankenbarometers zeigen auch, dass die Abhängigkeit von einer Bank zu hoch ist. Warum arbeiten Unternehmer nicht mit mehreren Banken zusammen?

Andreas Glandorf: Häufig erleben wir in der Beratung, dass sich Unternehmen gar nicht der Probleme bewusst sind, die aus der Zusammenarbeit mit nur einer Hausbank und der damit bestehenden Abhängigkeit entstehen können. Zum Beispiel, wenn die Hausbank ihre Kreditpolitik ändert oder bei wachsenden Unternehmen bei kleineren Hausbanken deren interne Kreditgrenzen ins Spiel kommen. Kurz gesagt: Die Unternehmen haben keine Finanzierungsstrategie. Auf der anderen Seite zeigt sich aber auch, dass Unternehmen oft den Arbeitsaufwand scheuen, sich sinnvolle Alternativadressen aufzubauen oder über neue Finanzierungslösungen nachzudenken. Daneben gibt es auch technische Gründe zum Beispiel bei den Sicherheiten: Häufig sind belastbare Sicherheiten, wie Grundschulden,  oder sogar alle Sicherheiten der bisherigen Hausbank zur Verfügung gestellt. Wenn jetzt eine zweite Hausbankverbindung aufgebaut werden soll, möchte diese natürlich auch einen Teil der Sicherheiten erhalten. Dies mag zwar im Einzelfall zu nicht immer einfachen Gesprächen führen. Dies sollte aus unserer Sicht die Unternehmen aber nicht davon abhalten, unbedingt eine zweite, kreditgebende Hausbankbeziehung aufzubauen.

Fördermag: Wie können sich Berater einbringen, wenn sich die Hausbank nicht bereit erklärt, Fördermittel durchzuleiten?

Andreas Glandorf: Oft hilft es durchaus, wenn sich Unternehmerinnen und Unternehmer Spezialisten an die Seite holen und diese bereits in der Vorbereitung einer Finanzierungsanfrage einbinden. So kann das Unternehmen schon mit konkreten Fragen und einem eigenen Finanzierungsvorschlag in das Bankgespräch gehen. Das macht es dem Bankbetreuer nicht mehr so einfach, das Thema Fördermittel zu übergehen oder nicht zu vertiefen. Die Finanzierungs-Experten des Bundesverband Die KMU-Berater sind mit den gängigen Programmen der Förderbanken vertraut. Dazu stehen sie im engen Austausch über das KMU-Berater-Netzwerk, und können so auch Informationen zu speziellen Förderprogrammen zügig erhalten. Der KMU-Berater hilft im zweiten Schritt bei der Aufbereitung der für den Kreditantrag relevanten Unterlagen, steht auch wenn gewünscht in den Bankgesprächen zur Seite und hat Kontakte zu alternativen  Finanzierungspartnern. Insgesamt kann so häufig – auch mit Unterstützung der Hausbank – eine maßgeschneiderte Lösung für das Unternehmen gefunden werden.

Fördermag: Nun sind die Zinsen derzeit so niedrig wie selten zuvor. Viele Banken bieten entsprechend auch zinsgünstige Darlehen an. Warum kann es für Unternehmer dennoch interessant sein, Fördermittel zu beantragen?

Andreas Glandorf: Zuerst steht immer die Frage nach der Dauer der Zinsfestschreibung. Nach unserer Einschätzung sollten Unternehmen heute die Zinsen für Investitionskredite für die Gesamlaufzeit festschreiben. Das aber fällt manchen Banken und Sparkassen wegen der anhaltenden Tiefzinsphase und den Liquiditätsgrundsätzen aus Basel III zunehmend schwerer. Neben der reinen Zinsposition ist bei öffentlichen Förderkrediten die Möglichkeit von Tilgungsfreijahren, beispielsweise bei Wachstumsinvestitionen, ein wichtiges Argument. Dazu bestehen in verschiedenen Programmen die Möglichkeit der Haftungsfreistellung, sodass die Hausbank von einem Teil des Kreditrisikos entlastet wird. Hinzu kommt, dass in bestimmten Programmbereichen auch andere Kosten als die reinen Investitionsaufwendungen gefördert werden, wie beispielsweise im KfW-Innovationsprogramm. Häufig sind den Bankbetreuern diese Spezialprogramme und die notwendigen Antragsschritte nicht umfassend bekannt.

Fördermag: Stichwort “Fintech”: Derzeit drängen viele neue und digitale Anbieter von Finanzierungen auf den Markt. Wie sehen Sie die Entwicklung in den nächsten Jahren? Gibt es mehr Alternativen für die Unternehmer, aber dafür einen unübersichtlichen Finanzierungsmarkt?

Andreas Glandorf: Diese Entwicklungen haben im sogenannten „B2C“-Segment begonnen, also bei Krediten an Privatkunden. Mittlerweile gibt es viele Angebote auch für Unternehmen. Allerdings sind hier die Anforderungen der Finanzierungspartner an Unterlagen und Kommunikation häufig größer und individueller als bei Krediten an Private – also ist auch der Aufwand für die Unternehmen höher. Dennoch kann es eine Ergänzung zur traditionellen Finanzierung sein, ein bestimmte Investition auch über eine Internet-Plattform anzufragen. Die Unternehmen müssen dabei zwei Wege unterscheiden: Zum einen die Finanzierung direkt über eine Plattform, also das Gewinnen vieler Geldgeber (Crowd) für den eigenen Kreditwunsch. Zum anderen die Nutzung einer Vermittlungsplattform wie z.B. www.compeon.de: Dort sind viele Anbieter wie Kreditinstitute und Leasinggesellschaften registriert und bieten bei Interesse für die Finanzierung Lösungen an; damit gewinnen Unternehmen immer auch interessante Vergleichsmöglichkeiten zu ihren bisherigen Finanzierungspartnern. Der Abschluss des Geschäfts erfolgt dann “klassisch” von Bank zu Unternehmen. Wir sehen hier eine Ergänzung der bestehenden Finanzierungsinstrumente, aber keinen Ersatz für eine bzw. zwei starke Hausbankbeziehungen.

Fördermag: Auch die Förderinstitute werden früher oder später nicht an “Fintech” vorbeikommen. Wie sehen Sie die Entwicklung: Hat es bald ein Ende mit dem “Flaschenhals Hausbank?”

Andreas Glandorf: Erst einmal ist wichtig, dass heute der von Ihnen so genannte “Flaschenhals” weiter wird und damit mehr und schnellerer Durchfluss für die Unternehmen möglich wird. Natürlich werden die Förderbanken und die Kreditinstitute ihre Zusammenarbeit weiter technisieren. Schon heute gibt es durchgängige Online-Verfahren, so dass das oben noch genannte Kostenargument der Banken immer schwächer werden wird. Solange aber die Hausbanken der Unternehmen das Kreditrisiko für die Förderkredite tragen, werden sie auch die Bonitätsprüfung und Kreditentscheidung übernehmen müssen. Dafür wird außerdem die Bankenaufsicht sorgen. Bleibt also die Aufforderung an die Unternehmen bestehen: Gut vorbereitet in die Finanzierungsgespräche gehen und sich dafür ggf. Unterstützung zu holen.

Fördermag: Herr Glandorf, vielen Dank für das Interview!

Andreas Glandorf, 47 Jahre

Volker Glandorf ist geschäftsführender Gesellschafter der inpraxi Unternehmensberatung GmbH & Co. KG in Osnabrück, einer auf filialisierende Bäckereiunternehmen spezialisierte Beratungsgesellschaft. Er ist zertifizierter Rating-Advisor und Mitglied im KMU-Beraterverband e.V.

Kurzbeschreibung des Banken-Barometers

Das KMU-Banken-Barometer ist sowohl Selbst-Check für Mittelständler zur Zusammenarbeit mit ihren Banken als auch eine Umfrage. Initiator ist der Verband “Die KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e.V.”. 2015 wird das KMU-Banken-Barometer zum zweiten Mal durchgeführt und zwar in Kooperation mit der Deutsche Unternehmerbörse DUB.de. Die Ergebnisse der Umfrage führen zu der Aussage, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Banken leider tendenziell verschlechtert hat. Alle Ergebnisse sind im Internet unter www.banken-barometer-2015.kmu-berater.de einsehbar.

Weitere Informationen

Die KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e. V., Fachgruppe Finanzierung-Rating, Andreas Glandorf, Tel: 0541-94525-14, E-Mail: glandorf@kmu-berater.

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